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Der Präsident |
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Es ist einer der mysteriösesten und
faszinierendsten Fälle der modernen Geschichte. Der legendäre
General Juan Peròn, dreimal Präsident von Argentinien, soll
in Wirk-lichkeit ein Italiener gewesen sein, genauer ein
Sarde.
Diese Annahme scheint unglaublich zu sein, aber viele Aspekte scheinen
auf einen sardischen Perón zu verweisen. Schon in den 40er-Jahren
sprach man ansatzweise darüber, und Anfang der 50er-Jahre,
aber nur in Mamoiada (einem kleinen Ort in der Provinz von
Nuoro), wo die Spekulationen ihren Ausgang nahmen. Aber
erst 1951 erregte die Annahme großes Aufsehen, nachdem zwei
Artikel des Anwaltsjournalisten Nino Tola in der Tageszeitung
“L´Unione Sarda” und etwas im “Giornale d´Italia” erschienen.
In jener Zeit führte Tola etwas ungläubig seine ersten Ermittlungen
durch und machte alle neugierig. Natürlich wurde auch in
vielen kulturellen Kreisen Sardiniens zu jener Zeit die
Nachricht mit Erstaunen und Perplexität breit kommentiert.
Der Fall wurde dann mehr als 20 Jahre später vom jungen aus Mamoiada
stammen-den Giovanni Piras wieder aufgenommen und 1984 in
dem Buch mit dem Titel “Juan Perón – Giovanni Piras,
zwei Namen, eine Person” beim Verlag Antonio Lalli in
Poggi-bonsi veröffentlicht.
Die ersten Untersuchungen deuteten an, dass Giovanni Piras, ein einfacher
Bauer aus Mamoiada, jung am Beginn des letzten Jahrhunderts
nach Südamerika emigriert sei, und dann nichts weniger als
der legendäre Präsident Juan Perón geworden wäre. Die Annahme
faszinierte einen dritten Forscher, Raffaele Ballore, der
ab 1993 weiter forschte und Material sammelte um daraus
ein Filmdrehbuch zu gestalten (dies wurde 1996 beendet und
1998 bei der SIAE registriert und hinterlegt). Die Untersu-chung
musste natürlich vertieft und eine angemessene Dokumentation
für oder ge-gen diese These gefunden werden.
Was hat sich seit 1984 geändert? Hat man Neuigkeiten über den Fall
herausgefun-den? Konnte diese sehr unwahrscheinliche Annahme
mit gewichtigen Dokumenten unterstützt werden? Eine große
Anzahl an neuen Elementen ist dazugekommen, um die These
zu vertiefen (aber auch komplizierter zu machen), und auf
der Basis der Dokumentation wurde die anfängliche Route
von Ballore verändert, wenn er auch den “selben” Weg weiter
ging. Die Zweifel über Piras wurden in seiner peniblen Studie
mit dem Titel “Der Präsident – Der Fall Piras-Perón,
Untertitel: Die Legende eines Sarden, der Juan Perón
gewesen sein könnte” dargelegt und gelöst.
In dem Buch legt der Autor, ausgehend von einer Demystifizierung des
bisher Be-kannten, die Widersprüchlichkeiten bezüglich der
Person Perón und die Gedächtnis-lücken der argentinischen
Historiker mit Dokumenten und Fotografien offen. Die Untersuchung
ist von einem starken Bestreben nach Erkenntnis und Wahrheit
be-stimmt.
Sehr oft haben die Stimmen des Volkes schon einige Dinge offengelegt,
aber sehr oft erweitert der “Resonanzraum” des Volkes mehr
als gewollt die Fakten bis zum Punkt, dass diese konterkariert
werden. Eine seriöse Herangehensweise war gefragt, um sich
nicht zu sehr emotional verwickeln zu lassen, auch wenn
viele Zeugnisse in die Richtung der Hypothese von Mamoiada
deuteten, sodass durch eine lange Serie von stichaltigen
Koinzidenzen keine andere Alternative übrig zu bleiben schien.
Es wurde eine präzise Studie durchgeführt, die auf den 1910 aus Mamoiada
emig-rierten Piras zurückging und sich dann auf besondere
Phasen des Lebens von Perón und seine persönlichen Dokumente
konzentrierte. Der Perón aus Mamoiada wurde dann von Ballore
vernachlässigt, als er wichtige Dokumente der ersten Frau
des Ge-nerals und die anthropometrischen Daten des Militärregisters
von Piras analysiert und diese mit denen von Perón verglichen
hatte. Schließlich wurde die These dem populären Legendenraum
übergeben, weil die Daten keine Zweifel mehr hinterlie-ßen.
Der Autor gibt die Stimmen des Volkes und die Bezeugungen
in Sardinien wie-der, die wirklich verblüffen wegen des
Inhalts der Enthüllungen und den zahlrei-chen Übereinstimmungen,
die die Existenz eines Perón aus Mamoiada bestätigen würden,
und irgendwo auch einen Wahrheitskern erkennen lassen, weil
viele Ele-mente darauf hinweisen, dass Perón ein Sarde gewesen
ist. Dass der dreimalige ar-gentinische Präsident etwas
verbirgt, geht aus dem Buch klar und unwidersprechlich hervor.
Die wichtigsten Punkte sind ganz sicher folgende: der oftmalig
erklärte sar-dische Ursprung des Generals und die Nicht-Existenz
seiner Vorfahren auf der Insel; das Auftauchen offizieller
offensichtlich falscher Dokumente bezüglich des argenti-nischen
Politikers; die Fotografien, die den jungen und alten Offizier
zeigen und nicht mit denen aus der Kindheit und Adoleszenz
übereinstimmen; die erhaltenen Drohungen von Seiten des
Rechtsanwalts Tola und die wichtigen gesammelten aber unveröffentlichten
Zeugnisse des Journalisten Franco Siddi (dem aktuellen Präsiden-ten
der Nationalen Pressevereinigung). Es folgen einige Anomalien
und Seltsamkei-ten in der offiziellen Dokumentation des
Offiziers Perón und seiner Familie.
Raffaele Ballore hat die sardische Spur weiter verfolgt und glaubt
auch an sie, auch wenn es ihm nicht gelungen ist, eine Ursprungslokalität
zu finden. In der Tat schreibt er “Piras-Perón” bis zum
Ende des Buches, aber mit diesem Familiennamen-Wortspiel
möchte er in besonderer Weise einen sardischen Perón signifizieren.
In der Zwischenzeit sind viele von der “Peronitis” befallen,
diese Geschichte faszi-niert jeden: da sind welche, die
Schriften in Umlauf bringen, die eine kleine Bezeu-gung
abgeben, andere begnügen sich mit einem kleinen Hinweis.
Die historische Wahrheit erreicht man vielleicht nur durch
den Beitrag von so vielen.
Wahrheit erreicht man vielleicht nur durch den Beitrag von so vielen.
Um endgültig den Schlusspunkt unter den Fall des sardischen
Peróns zu setzen, fehlt nur der genetische Beweis, der,
wenn man den Erkenntnissen des Buches über den “Präsidenten”
folgen darf, nur an den Überresten von Juan Perón und seiner
Mutter Juana Sosa ausgemacht werden kann. Warum, das versteht
man, wenn man das Buch liest, das den Fall mit Dokumenten,
Fotos und Zeugnissen diskutiert.
Tomás Eloy Martinez, der große Schriftsteller und unabhängige Biograf
von Perón, schreibt: “...gemeinsam mit Joseph Page habe
ich entdeckt, dass von Perón Erzählen ein end-loses Unterfangen
ist und niemand jemals das definitive Buch schreiben wird
können.”
In Südamerika war es nicht leicht über so eine Geschichte zu ermitteln:
zu viele Schwierigkeiten, zu viele geschlossene Türen, zu
viel vergeudete Zeit, und, warum nicht, zu viele Interessen
von Seiten des argentinischen Staates.
Einige Schreiber haben auf anagrafische Unstimmigkeiten, was die Ursprünge
des Generals betrifft, hingewiesen. Einige begünden es mit
der Verlegenheit Peróns als uneheliches Kind, andere finden
keine Gründe. Wenige jedoch haben seinen Lebens-lauf sehr
aufmerksam verfolgt, nur durch eine präzise Analyse bemerkt
man, dass das ganze Leben dieser illustren Person voller
Mysterien und Überraschungen ist, die viele Fragen hinterlassen,
vor allem, weil heute nicht vernachlässigbare Fakten vorliegen,
die Historiker interessieren sollten.
Man muss sagen, dass dieser Fall die schwierige und profunde Analsye
verdient hat, von der hier die Rede ist. Nachforschungen
über das Leben von Perón, um seine wirkliche Identität zu
klären, bedeuten auf keinen Fall einen unhöflichen Akt gegen-über
dem argentinischen Volk, noch soll die Bedeutung des Ex-Präsidenten
geschmä-lert werden.
Der Autor bewertet nicht den Politiker Perón, weil er das Wissen über
dessen Agie-ren und über dessen Ideen nicht vertieft hat,
im Rahmen der Untersuchung deutet er nur ein politisches
Profil an. Er drückt jedoch seine persönliche Einschätzung
aus, indem er sagt, dass, wenn dieser dreimal demokratisch
zum Präsidenten gewählt wurde, er für die Argentinier eine
besondere Bedeutung haben musste, sodass er und Evita, seine
zweite berühmte Ehefrau, bis heute zwei mythische Figuren
im la-teinamerikanischen Kontext darstellen. Aber er hat
keine Intention, einen Mythos zu feiern oder zu zerstören,
er möchte nur eine Wahrheit von historischem Wert zur Diskussion
stellen, weil, wenn all die Fakten zusammenpassen, ein Landsmann
von ihm, mit Namen Juan Perón, im Guten wie im Schlechten,
ein Protagonist der Ge-schichte des 20.Jahrhunderts gewesen
ist.
In einem der Bücher von Enrique Pavón Pereyra, dem persönlichen Biografen
von Juan Perón, sticht auf enigmatische Weise ein dem Schreiber
diktierter Satz des ar-gentinischen Exilanten im madrilenischen
Haus hervor, in dem dieser darauf hin-weist, wie er seine
Herkunft für sich behalten hat: “...Ich habe mit meinem
Schicksal eine magische Wette abgeschlossen, es ist mir
bis heute gelungen, meine Herkunft als tiefes Ge-heimnis
zu bewahren.”
Auch für einen anderen sardischen Forscher, Gabriele Casula, bedeutet
die vollstän-dige Substitution einer Person die Erklärung
für eine Falsifikation und Manipulation der anagrafischen
Dokumente von Juan Perón und für die existierenden Widersprü-che
in den Biografien der argentinischen Historiker aber auch
in dessen eigenen Er-innerungen, was er in seinem Buch “Wo
ist Perón geboren? Ein sardisches Rätsel in der argentinischen
Geschichte” (Ed. Condaghes, Cagliari) ausführt. Jenseits
der fantastischen Geschichte, die die Bücher von Ballore
und Casula vor-bringen, eine wichtige Tatsache verbindet
die Schicksale von Sardinien, Argentinien und deren Hauptstädte:
Buenos Aires übernimmt den Namen der Kirche der Jung-frau
von Buona Aria, der Patronin von Cagliari und der ganzen
sardischen Region.
Übersetzung ins Deutsche: Markus Vorauer
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P. Canneddu Juan Peron-Giovanni Piras, zwei Namen, eine Person |
Raffaele Ballore Veröffentlichung 5/12/2007 |
G. Casula ¿Donde nació Perón? |